Sternstunden - Was ist in der Welt los?

Auf der Suche nach Hoffnung fragen wir uns, wo wir suchen sollen. von Thorsten Harmann. Der Artikel erschien im Keime-Heft 1/20 auf S. 4

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Wir brauchen wieder eine Sternstunde. Oder sogar mehrere. Oder hatten wir sie schon, als Greta Thunberg, das Mädchen mit dem leicht abwesenden Blick im Jahr 2018 vor dem schwedischen Reichstag auf dem Boden saß? Oder begann eine ganze Stern-Zeit als der Bericht des Club of Rome 1972 erschien?

Stefan Zweig nannte die Sternstunden leuchtend und wandelbar in der Nacht der Vergänglichkeit, im Unsichtbaren. Greta und der Club of Rome sind allen bekannt. Geschehen heute die Sternstunden im Licht der Öffentlichkeit? Wir fragen uns: Wird das Ereignis Greta die Zeiten überdauern? Was sublimiert sich da? Wird es Entscheidungen herbeiführen für Jahrzehnte und Jahrhunderte? Machen wir uns einmal selbst zum Stern und schauen herunter auf die Menschenwelt des Lebewesens Erde. Wir erhalten wechselnde Perspektiven.

„How dare you“, sagte Greta vor der UNO mit Zorn im Gesicht. Es war nicht mehr das mysteriöse, naive Gesicht aus Schweden. Greta lässt die Menschen in dieser Hinsicht nicht gleichgültig. Schärfen wir unseren Blick. Anfangs wurde Greta mit Jeanne d‘Arc verglichen.

Jeanne d‘Arc wurde physisch verbrannt. Wird Greta heute medial verbrannt? Die großen Demos werden weniger und die Zeit der Realpolitik beginnt. Alle Welt ruft, Handeln ist angesagt. Aber wer will freiwillig unbekannte Wege gehen? Wer kann das? Wer verändert ab morgen sein Verhalten?

Global ist der Klimawandel bereits da und die Politik reagiert hier und da. Immer wieder erzwingt sie Veränderungen, die einen unfreiwilligen Wandel der Gesellschaft herbeiführen und neue Hindernisse für individuelle Lösungen schafft. Liegt darin eine Chance?

Die Wirtschaftsmächte wollten sich erst wehren, haben aber ihre Gewinnchancen schnell erkannt. Es ist eine genaue Wahrnehmung des gepriesenen CO2-Handels nötig. Werden mit dem CO2-Handel individuelle Lösungen unmöglich gemacht und die alten Machtstrukturen gefestigt?

Da wo die Außenwelt unserem Inneren nicht angemessen ist, taucht Zorn auf. Frisst der Zorn sich jedoch in die Seele hinein, wird er zu Wut, zum lähmenden Gift für das ICH. Hier im Lande wurde erfolgreich Wut gezeigt. Beispielsweise in Garzweiler. Kann der Zorn sich in konstruktiven Aktionen äußern, kann er zum Idealismus und zur Selbstlosigkeit führen.

Begreifen wir denn, was auf den verschiedenen Ebenen geschieht? Ist Massenbewegung neu? Es wäre neu, nicht zu fordern, der Staat oder die Wirtschaft solle alles richten. Immer mehr Menschen spüren das. Der Staat ist nicht der alleinig Schuldige. Die Wirtschaft nicht der einzige Akteur. Wir sind es selbst. Aus uns heraus kann sich etwas ändern.

Es scheint, als müssten wir uns unsere nächsten Sternstunden selbst erarbeiten. Zum Beispiel wach sein, wenn Lügen zur Wahrheit gemacht werden. Zum Beispiel bremsen, wenn ängstliche Bedenkenträger neue Wege blockieren. Zum Beispiel Verständnis und Frieden äußern, wenn Hass gestreut und darüber auch noch gespottet wird. Immer wieder sind wir gefordert, glühend und mutig für selbst erworbene Erkenntnisse einzutreten, sie nicht nur zu denken, sondern auf diese Weise Gutes zu tun. Das sind Sternstunden. Sie können täglich geschehen.

In gleichem Maße, wie jetzt tief in materielle und soziale Verhältnisse eingegriffen wird, erhöht sich unser Bewusstsein dafür, dass wir das Geistige in der Natur nicht nur erkennen, sondern es auch mit unseren Vorstellungen und Ideen verbinden. Auch diese Aufgabe beginnt täglich. Erleben die vielen anthroposophischen Initiativen in unserer Region Sternstunden? Im größeren Zusammenhang sind sie auf jeden Fall Vorbereiter. Sie machen durch ihr Tun Unvorhergesehenes möglich.

Holger Janson, Waldorflehrer in Bexbach, schreibt: „Entwickele ich Gedanken aus mir selbst oder denke ich nur nach? Bin ich eine konditionierte Patchwork-Individualität oder bin ich ein Original? Entwickele ich mich oder bin ich irgendwann stehen geblieben?“

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