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Bedingungsloses Grundeinkommen für alle?

- Podiumsdiskussion mit Götz Werner in Saarbrücken

 

Unter dem Titel „Bedingungsloses Grundeinkommen für alle?“ fand am 26.Oktober 2007 in Saarbrücken eine Podiumsdiskussion mit Prof. Götz W. Werner statt. Mit im Podium saßen Prof. Reinhold Moser, Dr. Walter Koch und Dr. Ulrike Voltmer. Die Moderation hatte


Dr. Jürgen Albers, Redakteur des Kulturradios SR 2 / Saarländischer Rundfunk. Gesendet wurde die Aufzeichnung am 9.Dezember um 20.04 Uhr auf SR 2.
 
Der Veranstalter „Keime für die Zukunft“, ein Zusammenschluss anthroposophischer Initiativen im Saarland, der Westpfalz, Lothringen, Luxemburg und der Vulkaneifel, hatte in den großen Saal des Volkshochschul-Zentrums am Schlossplatz in Saarbrücken eingeladen. Gekommen waren über 600 Besucherinnen und Besucher, mehr als 50 Personen fanden keinen Einlass mehr. Prof. Götz Werner, Chef der dm-Drogerie-Märkte und Leiter des interfakultativen Instituts für Entrepreneurship an der TH Karlsruhe, zieht die Menschen an.

Im Podium war Prof. Werner mit eher kritisch eingestellten Gesprächspartnern konfrontiert, mit Prof. Reinhold Moser, Professor für Volkswirtschaftlehre an der Fachhochschule Trier,
Dr. Walter Koch, Präsident der saarländischen Unternehmerverbände und Dr. Ulrike Voltmer, Dipl.-Psychologin und frühere Referentin für Hochschul- und Wissenschaftspolitik im Bundestag. Dr. Jürgen Albers, zuständiger Redakteur beim Saarländischen Rundfunk, moderierte und fragte kritisch nach.
 
 
Ausgangspunkt Dreigliederung  
 
Bei der Ausgangsfrage, was denn die Anthroposophie mit einem bedingungslosen Grundeinkommen zu tun habe, kam man sehr schnell auf das Thema der Brüderlichkeit zu sprechen: die Solidarität der Menschen untereinander solle das Wirtschaftsleben prägen.   
  Vielen Anwesenden waren Rudolf Steiners Überlegungen zur Dreigliederung des sozialen Organismus bekannt. Dass man durch Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens für alle (BGE) das Ideal der Brüderlichkeit im Wirtschaftleben eher verwirklichen könne, stand damit als These im Raum. Aber nicht nur das: Mit einer Grundsicherung im Rücken könnten die Menschen mehr Freiheit entwickeln; es eröffne sich der persönlichen Initiative mehr Raum, und damit könne ein freies Geistesleben gedeihen. Zudem könne über ein BGE der Begriff der Gleichheit vor dem Gesetz mit neuem Leben erfüllt werden. Denn ein bedingungsloses Grundeinkommen in gleicher Höhe für alle beinhalte genau diesen Gleichheitsgedanken.
  Gehört Geld wirklich zum Rechtsleben, in dem es um die gleichen Rechte für alle Menschen geht? Beinhaltet 1000 Euro ein Rechtsgut gleichen Inhalts, mit dem der Besitzer die Berechtigung erwirbt, einen bestimmten Wert an  Dienstleistung oder an einer produzierten Ware in Anspruch nehmen zu können? Bei genauem Hinsehen erfüllt das Geld diesen Grundsatz nicht. Es hat vielmehr selbst Warencharakter. Wir können Geld einer anderen Währung kaufen, wir können Geld „arbeiten“ lassen, indem wir Werte aus Produktionsstätten abschöpfen. Wer viel Geld besitzt, kann es mit hohen Zinsen anlegen, kann es für sich „arbeiten“ lassen, kann Aktienanteile und Einfluss erwerben und hohe Renditen erwirtschaften, kann mit seinem gewonnenen Geld gar Fernsehanstalten und Zeitungen kaufen, kann „öffentliche Meinung machen“, kann Bildungseinrichtungen aufbauen und bestimmen, was gelernt wird. Doch der „Arme“, der von 1.000 Euro leben muss, muss sein Geld ausgeben, weil er davon Nahrung und Kleidung kaufen muss, seine Heizung und sein Wasser, seine Lebensgrundlagen bezahlen muss.

Mit dieser Feststellung bewegen wir uns bei der Diskussion um das Grundeinkommen auf einem schwierigen Feld. Denn das Geld ist höchst ungleich verteilt: der eine Mensch kommt ohne Geld auf die Welt und wird z.B. als armes hungerndes Kind in Afrika geboren und kaum jemals viel Geld erwerben können, der andere startet im reichen Westen als Erbe großer Besitztümer und Geldmengen, die sich immer weiter vermehren. Dass dies möglich ist, „verdanken“ wir den vielen Menschen, die in anderen Ländern „kostengünstig“ für uns arbeiten. Der Westen profitiert zudem von der Ausbeutung der Rohstoffquellen anderer Länder. Deutschland insbesondere profitiert zudem als Exportweltmeister vom freien Handel auf dem Weltmarkt.
 
Prof. Götz Werner erklärt, dass jedem Menschen ein BGE zustehe; dies habe mit der Würde des Menschen zu tun. Hartz IV schaffe Druck und Angst, sei wie ein „offener Strafvollzug“. Die Bundesrepublik Deutschland solle den Anfang machen mit der Umsetzung von Freiheit, der Mensch solle vom Zwang zur Lohnarbeit befreit werden. Ausgehend von einem positiven Menschenbild, gegründet auf gegenseitiges Vertrauen, solle der Staat aus dem Steuersäckel jedem Bürger und jeder Bürgerin von der Geburt bis zur Bahre eine bestimmte Summe als Grundeinkommen zahlen, gleichgültig ob bedürftig oder reich, ob Kind armer Eltern oder Nachkomme reicher Vorfahren. Finanziert werden könne das BGE über die Konsumsteuer, die Mehrwertsteuer. Wer konsumiere, zahle damit die nötigen Steuern.  
 
Einige Besucher zeigten sich überrascht, dass nur der Konsum besteuert werden solle, müssen doch die Ärmeren überproportional viel von ihrem Einkommen für Konsum ausgeben und somit auch die größere Steuerlast tragen. - Auf Lebensnotwendiges könne man die Mehrwertsteuer erlassen, erklärt Prof. Werner. Dem Moderator Dr. Albers gelingt es, weitere kritische Fragen in die Debatte einzubringen, wurde doch die gesamte Sendung mitgeschnitten und dann in der Reihe „Diskurs“ gesendet, einer Sendereihe der kritischen Nachfragen.
 
 
Wie steht es um die Zinswirtschaft?
 
Sollten Kapitalerträge und Renditen denn nicht besteuert werden? Sollten die Reichen, deren Geld ohne Dazutun wächst, denn nicht von ihren Renditen wieder etwas an die Gemeinschaft zurückgeben? In dem Preis einer Ware seien alle Steuerarten und Abgaben bereits enthalten, wird von Prof. Werner ausgeführt. Alle Kosten und Abgaben würden in den Preis einer Ware einkalkuliert, denn Gewinn müsse auf jeden Fall erwirtschaftet werden, um Investitionen tätigen zu können. Da alle von einem Unternehmen zu zahlenden Abgaben – z.B. für die Arbeitskräfte - auf die zu verkaufenden Güter umgelegt würden, könne der Staat gleich alle notwendigen Abgaben allein über die Umsatzsteuer einziehen. Warum dann noch Unternehmens-, Vermögens- und Erbschaftsteuer?
  Wenn zudem Waren oder Dienstleistungen, also die nachgefragten Güter, durch niedrige Arbeitslöhne preiswert angeboten werden könnten, werde auch mehr verkauft und es lasse sich ein höherer Gewinn – bei richtiger Markteinschätzung – erwirtschaften. Und dieser Gewinn sei wichtig, er mache Investition und damit Wachstum und Teilhabe aller möglich.
  Doch im Podium wurde nachgehakt. Es war nach dem angelegten Gewinn gefragt worden, nach dem Großkapital, angelegt in Aktien, Fonds, Öl, Fremdwährungen, Immobilien. Es müsse bedacht werden, dass sich durch „arbeitendes Geld“ Spekulationsgewinne erzielen ließen, die die Reichen reicher machten, die aber nicht zur Finanzierung eines BGE hinzugezogen würden. Auf diese Weise würden ja die Armen durch ihren Konsum die Vermehrung des Kapitals der Reichen mitfinanzieren und zudem noch ein bedingungsloses Grundeinkommen dazu erhalten! Luxussteuer könne doch nicht genügen. Der Staat verfüge ja jetzt schon über zu wenig Geld.
  Diese Fragen um die Ungleichheit von Geldwerten stehen im Raum und bewegen viele Teilnehmer in Gedanken. Können wir mit der Zahlung eines bedingungslosen Grundeinkommens wirklich die Not der Menschen lindern? Denken wir dabei zu national, zu eurozentristisch? Hinter jedem Geldwert steht doch letzten Endes Arbeit und wenn es auch nur die ist, die unter schweren Bedingungen von anderen Menschen in fernen Ländern geleistet werden muss.     
 
 

Ein Menschenbild des Vertrauens
 
Die Diskussion zeichnete sich durch ein hohes Niveau an Reflexion aus. Schwierige Fragen wurden nicht ausgespart. Dazu gehörte auch die Frage nach dem Zustand unserer heutigen Gesellschaft. Ist sie wirklich reif für ein BGE?
  Götz Werner appelliert an die Vertrauenskräfte im Menschen. Wir alle sollen Vertrauen in unsere Mitmenschen setzen; auch uns selbst würden wir doch zutrauen, unseren Beitrag für das Gemeinwohl zu leisten. Wir arbeiteten ohnehin in vielen Bereichen unbezahlt und unterbezahlt. Ehrenamt, soziales Engagement, kulturelle Initiative – endlich würde dies alles durch ein BGE mehr und mehr ermöglicht. Keine/r müsse mehr eine ungeliebte Arbeit leisten. Wo diese dennoch nötig werde, müsse sie hoch bezahlt werden. Denn demjenigen, der sie ausführen solle, müsse ein attraktiver Lohn winken. Aus dem eigenen Willen heraus solle man tätig werden.
  Wie ist das mit den Kindern? Ihnen ist ebenfalls eine (etwas niedrigere) Grundsicherung zugedacht; dann ab 18 Jahren sollten sie den vollen Satz erhalten – er könnte zwischen  800.- und 1500.- Euro für jeden Menschen liegen – je nach wirtschaftlicher Lage. Das stimmt hoffnungsfroh.
 In Zeiten sozialer Not und Ausgrenzung, Kinderarmut und drohender Altersarmut hoffen viele Menschen auf neue soziale Konzepte, getragen von einem positiven Menschenbild und unter Berücksichtung der Würde eines jeden Menschen. 
 Mündig sollen die Menschen werden. Das erfordert pädagogische Arbeit, kulturelle Initiative, Willensschulung, Bewusstseinprozesse. Vielleicht werden dann die Menschen reif, ohne Zwang zur Arbeit das Nötige, Schöne und Gute zu tun. Unterstützt durch ein bedingungsloses Grundeinkommen könnte so eine schöne Utopie Wirklichkeit werden. Denn das Neue sei immer zuerst einmal Utopie gewesen, meint Götz Werner. Wo es diskutiert werde, entwickle es sich in die Realität hinein.
  Es gibt eine große Anzahl an unterschiedlichen Konzepten des Grundeinkommens, einige wie die GRÜNEN schlagen vor, es über eine negative Einkommensteuer zu erwirtschaften, andere wie die LINKE über eine Grundsicherungsabgabe. Eine Finanzierung allein über die Mehrwertsteuer unter Abschaffung der Einkommenssteuer, was Götz Werner vorschlägt, stellt eigentlich die unternehmerfreundlichste Variante dar. Das CDU-Konzept um den thüringischen Ministerpräsidenten Althaus tastet dagegen die Einkommensteuer nicht an. Denn es wird viel Geld benötigt, sehr viel Geld, um allen, also auch denen, die schon Geldwerte besitzen, ein zusätzliches Grundeinkommen zu zahlen. Und diese Ausgaben für ein Grundeinkommen würden in Konkurrenz treten zu anderen nötigen Ausgaben des Staates für Bildung, Kultur und Soziales. Denn allein durch ein Grundeinkommen, lassen sich die Probleme unserer Gesellschaft nicht lösen. Die Auszahlung von Geld an alle beseitigt nicht per se unsere heutige Armut an Lebenswerten, an Wärme, gegenseitiger Übernahme von Verantwortung, Zuwendung und Bildung. Ohne zusätzliche Maßnahmen und damit auch Kosten für Sozial- und Bildungsarbeit werden wir nicht auskommen.

 

Dr. Ulrike Voltmer
Dipl.-Psychologin

 

 

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M A N I C H Ä I S M U S: Das vergessene Christentum des Herzens

 

Im Gespräch mit Roland van Vliet über Gut und Böse und ein authentisches Christentum

Auszug aus dem Interview, das Thomas Senne mit van Vlieth führte, aus Info 3 März 2008

Herr van Vliet, Sie sind ja ein Kenner von Manichäismus und Gnosis. Gibt es neue Erkenntnisse aufgrund erst jetzt gefundener oder ausgewerteter Texte, wie z. B. dem Kölner Mani-Kodex?

Es gibt viele neue Erkenntnisse. Gerade der Kölner Mani-Kodex, den Sie gerade erwähnt haben, hat
gezeigt, dass der Manichäismus - wie irrtümlich angenommen – keine persische, stark dualistisch geprägte Geistesströmung ist, sondern eine christliche. In dem Kölner Mani-Kodex ist zu lesen, dass
Mani bei den „Täufern“ aufgewachsen ist. Das wusste man zwar schon früher aus anderen Quellen. Aber in dem Kölner Kodex, der 1969 bekannt und dann rund 20 Jahre lang genau wissenschaftlich untersucht wurde, steht, dass Mani bei den jüdisch-christlichen „Elchasaiten“ aufwuchs und schon als etwa vierjähriges Kind Christus, den Heiland, ins Zentrum seiner Andacht stellte. Diese Erkenntnisse bedeuteten seinerzeit eine Revolution in der Wissenschaft. Deshalb können wir sagen, dass der Ur-Manichäismus keine persische Religion war, die erst durch Missionierung eine christliche Färbung bekam, sondern dass es genau umgekehrt war. Ursprünglich war der Manichäismus christlich und gehörte zum Ur-Christentum. Erst später hat Mani dann sein Gedankengut für den persischen Kaiser Schapur I. der Lehre Zarathustras angepasst.

So hat Mani beispielsweise das Sonnenwesen „Ahura Mazda“ ; das im persischen Zoroastrismus als „große Aura“ verehrt wird, mit dem Christus in Verbindung gebracht und damit verdeutlicht, dass diese vorchristliche Religion selber im Kern eine christliche Substanz hat.

Natürlich ist es auch sehr wichtig, dass Mani als christlicher Theosoph verschiedene Religionen
miteinander verbunden hat und in manichäischen Texten etwa der Name „Ahura Mazda“ mit dem „Urmenschen“ oder „Christus“ verknüpft wurde - mit eine Voraussetzung dafür, dass man zu einer Übereinstimmung der verschiedenen Religionen kommen kann.

In einem der liturgischen Texte der anthroposophischen „Christengemeinschaft“, ich glaube im Glaubensbekenntnis, heißt es in etwa: „Ein allmächtiges, geistig-physisches Gotteswesen ist der Daseinsgrund der Himmel und der Erde“; ein Spruch, der von Rudolf Steiner übermittelt wurde. In vielen Texten des Gnostizismus, zu dem Kurt Rudolph in seinem Standardwerk „Die Gnosis“ auch den Manichäismus rechnet, wird dieser „Daseinsgrund“, zumindest was die physische Seite der Welt; die Materie, die „Hyele“, betrifft, als böser „Schöpfergott“ angesehen. Der so genannte „Demiurg“ steht einem guten „Vatergott“ - manchmal ist sogar von einer Art „Muttergott“ die Rede - diametral entgegen. Welche Haltung nehmen in dieser Frage Mani und seine Anhänger ein?

Meiner Meinung nach darf man den Manichäismus nicht als Gnostizismus bezeichnen. Denn unter
Gnostizismus verstehe ich eine Strömung, in der sehr stark der Dualismus ausgeprägt ist. Und der
besagt: Es gibt einen Gottesfunken in dir und der gehört nicht zu die-ser Welt. Eine böse Gottheit hat diese Welt geschaffen, von der sich die Seele befreien muss. Diese Haltung ist meiner Auffassung nach nicht manichäisch, weil im Manichäismus sehr stark zum Ausdruck kommt, dass
unsere Welt durchden lebendigen Geist des Vaters geschaffen wurde und dass es eine gute Welt ist, auch wenn in dieser Welt eine gemäßigte Form des Dualismus zwischen Gut und Böse besteht. Diesen Gegensatz zwischen Gut und Böse hält der Manichäismus für ganz wichtig. Man lernt nämlich auf diese Weise, dass der lebendige Geist des Vaters die Welt geschaffen und das Böse nur deshalb zugelassen hat, um eine Weiterentwicklung des Menschen zu ermöglichen: Eigentlich eine sehr moderne Einstellung, dass das Böse bloß deshalb zugelassen wird, weil es eine Funktion hat - für die Entwicklung des Guten.

Das Böse ist zugelassen in der Welt, weil es eine Funktion hat für die Entwicklung der Liebe, die das Böse dann wiederum überwinden kann.“ Da denkt man natürlich unwillkürlich an Goethe und den Ausspruch Mephistos im Faust: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft“. Wie steht denn Mani zum Mysterium des Bösen überhaupt? Unterteilt er dieses auch wie Rudolf Steiner in Luzifer und Ahriman?

Wenn man das anthroposophisch ausdrücken möchte, muss man sagen, dass es eine große Entwicklung gab, bereits vor der Erschaffung unserer Welt. Insgesamt gibt es sieben große Kosmoi. Unsere Welt ist davon die vierte, von deren Schöpfung die Genesis erzählt. In der Zeit vor der Genesis hat es nach manichäischer Auffassung bereits einen Lichtkosmos gegeben, der von der Welt der Finsternis bedroht wurde, die vom geistigen Vater zugelassen worden war. “Ahriman“ - übrigens eine Bezeichnung der persischen Manichäer - hat dann diese Lichtwelt bekämpft, die nun auf die Bedrohung durch die dunklen Kräfte reagieren musste. Jedoch, so heißt es weiter, gab es in der Lichtwelt keine Waffen, mit denen sie hätte kämpfen können, da in ihrem Reich allein Licht und Liebe herrschten. Deshalb sollte sich der Urmensch oder Christus - alles vor der Zeit, von der die Genesis spricht - in einem Liebesopfer mit der Welt der Finsternis verbinden, um auf diese Weise die rebellischen Kräfte zu besänftigen.
Dass das Böse überhaupt zugelassen war, liegt daran, dass die Lichtwelt in einer kontemplativen Ruhe erstarrt war. Durch den „Stachel des Bösen“, wie dies ja auch im Faust zum Ausdruck kommt, sollte dieses Licht allmählich in Liebe umgewandelt werden. Anthroposophisch ausgedrückt: Ursprünglich war das „Licht“ noch luziferisch und sollte durch die Kraft Ahrimans zur Christus-Liebe metamorphosiert werden.
Das ist in meiner Forschung überhaupt das phänomenologische Wesensmotiv des Manichäismus: Dass das Gute - ohne sein eigenes Wesen zu verlieren - sich in Liebe mit dem Bösen verbindet, damit dieses umgeformt werden kann. Dies auch bei sich selber zu tun, ist meiner Meinung nach heute eine wichtige Aufgabe für die Menschheit……..

(entnommen aus Info 3, März 2008, Monatsmagazin für Anthroposophie, Spiritualität und Zeitfragen, Info Verlag Frankfurt)

Roland van Vliet wurde 1960 in den Niederlanden geboren. Er absolvierte ein Hochschulstudium in Philosophie und ist als Dozent in der Erwachsenenbildung tätig und gründete das holländische Institut „Manisola – philosophisches Intitut für persönliche Meisterschaft und ethische
Kommunikation“. http://www.manisola.nl

Roland van Vliet ist Autor des Buches: „Der Manichäismus. Geschichte und Zukunft einer frühchristlichen Kirche“, Urachhaus Verlag, 2007


Wer mehr zum Thema: „MANICHÄISMUS: Das vergessene Christentum des Herzens“
erfahren möchte, ist herzlich eingeladen zum Vortrag mit Roland van Vliet am Donnerstag, 23. Oktober um 20°° Uhr ins „Strohhaus“, Saarbrücken-Altenkessel
Weitere Infos unter: http://www.im-strohhaus.de/
Und: http://www.heilsamer-blick.de/25.html

 

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FÜNF JAHRE PRAXIS GASPARD IN SAARBRÜCKEN

Wie kam es zur Gründung Ihrer Praxis Gaspard?

Es war ein Neubeginn – 28 Jahre hatte ich mit heilpädagogischen Jugendlichen gearbeitet. Jetzt machte sich in mir ein tiefes Bedürfnis geltend, intensiv künstlerisch tätig zu werden.

Ich hatte in „Haus Sonne“ über die Jahre hin enorm viele Möglichkeiten, künstlerisch zu arbeiten: im Unterricht, in der gemeinsamen Lebensweise, ja in allen Handgriffen der täglichen Betreuung ist alles auf das Erlernen der „Lebenskunst“ hin orientiert. Ohne künstlerischen Lebensansatz ist diese herausfordernde Aufgabe nicht lange durch zu halten. Ein künstlerisches Milieu dagegen hält sowohl Betreute wie Mitarbeiter gesund. Und dieses Klima war da!

Auch diese Vorbereitungen der vielen Jahresfeste, die ja in der Heilpädagogik mit einer Intensität gefeiert werden, wie sonst nirgends, – die Kinder sind ja auf diese Feiermomente angewiesen, sind gewissermaßen die Basistherapie für alle!

Also mit einem dicken Paket künstlerischer und sozialkünstlerischer Übung kam ich hier an. Das war der erste Ansatz zur „Praxis Gaspard“.

Praxis Gaspard trägt einen französisch klingenden Namen. Was bedeutet er?

Er deutet auf Kaspar Hauser, das „Kind Europas“ hin. „Gaspard“, so wollte Stephanie de Beauharnais ihren ersten Sohn nennen, es ist gewissermaßen sein geheimer Prinzenname. Das Schicksals dieses Kindes kann als Symbol gelten. Wir sprechen heute vom „Verlust der Kindheit“, von „Bedrohte Kindheit“,und vom „Recht auf Kindheit“ etc.

Ich glaube, eine der entscheidene Herausforderung unserer nahen Zukunft wird sein in Europa Freiräume zu schaffen, worin Kinder kindgemäß aufwachsen dürfen.

Es muss die „Kunst zu leben“ heute vom Erwachsenen völlig bewusst neu erlernt werden. Es gilt das „Kind in sich“ zu entdecken, das verschüttet in einem Gefängnis hockt und kaum noch gehfähig ist, wie damals der kleine Kaspar Hauser. Das Gefangen sein ist zum Kulturphänomen geworden.

Aber ich glaube fest daran: durch bewusste künstlerische Tätigkeit kann jeder Erwachsene dieses verschüttete Kind in sich wieder ausgraben und gesund pflegen. Davon wird sich eine heilsame Befreiung auf alle unsere Lebensbereiche ausdehnen ! Es geht also nicht um angeborene Talente, sondern um den geheimen Künstler in Jedem, der durch unsere intellektuellen Denkgewohnheiten unterdrückt wird.

Und das Pferdchen im Logo?

Das war das einzige Spielzeug, das man dem Jungen damals gelassen hatte. Es ist im späteren 20. Jahrhundert wieder entdeckt worden, als man in Schloss Pilsach bei Renovierungen zufällig auf einen geheimen, nur 1,40 m hohen Raum stieß: das vermutete Gefängnis war damit eindeutig identifiziert! Ich lasse das Pferdchen die Nüstern heben: es wittert die frische Luft der Freiheit…

Das klingt alles sehr schön. Aber wird das Angebot denn auch angenommen?

Es wächst, aber ist noch in den Keimen. Was die Beratung anbelangt habe ich mich bewusst dagegen entschieden, mich für eine Abrechnung mit Krankenkassen „fit“ zu machen. Ich versuche, ökonomisch zu arbeiten, und gehe davon aus, dass eine Leistung dem Kunden auch etwas wert ist.

Daneben habe ich dann auch angefangen, in obigem Sinne völlig „zweckfreie“ Kunstkurse anzubieten, und das hat einen gewissen Erfolg - auch die bereits lange Reihe der Vorträge zur Kunstgeschichte – ein Thema, worin ich mein Leben lang geforscht habe. Die Kunst wird uns noch retten!

Halten Sie auch Vorträge und Kurse außerhalb unserer Region?

Eine sehr beglückende Lebenserfahrung ist es, dass ich mittlerweile international gefragt werde, und dort wo ich gewesen bin, gern wiederkommen darf. Da haben sich die ganzen mühevollen „Lehrjahre“ in der Heilpädagogik wirklich gelohnt: Ich bemühe mich, Anthroposophie als am Leben abgelesen darzustellen, und darauf springen die Menschen an. Ich mache dann jedes Mal innerlich eine tiefe Verneigung gegenüber meinen jahrzehntelangen heilpädagogischen Begleitern - meinen eigentlichen Lehrern. Ich empfinde es als eine Art Geschenk des Schicksals, dass ich so für den Anthroposophischen Kulturimpuls tätig werden kann.

Sie sind in der Anthroposophischen Gesellschaft aktiv.

Es ließ sich in den abgelaufenen Jahren ein sehr positives Klima der Gesprächskultur im Zweig aufbauen. Es wird bei uns viel gelacht, und das wirkt befreiend gegenüber der Besserwisserei und dem Zitaten-Fundamentalismus, womit Außenstehende nicht ohne Grund die Anthroposophische Gesellschaft identifizieren.

Wie wollen Sie Ihr Jubiläum feiern?

Zuerst mit einem Tag der offenen Tür am 3. Oktober: Schnupperkurse im Künstlerischen, Begegnungen, Musik und leckere Sachen. Am Samstagabend und Sonntag wird dann Yehuda Tagar aus Kapstadt wieder bei uns sein: Heilung von Traumatisierung und Missbrauch am Samstag, am Sonntag „Sieben Bedingungen“, mit Seminar. Es handelt sich hier um die Bildung von Kompetenz im Umgang mit sich selbst und innerhalb von Kollegien und anderen zusammenarbeitenden Gruppen: eine reiches Thema!

Welche Zukunftspläne haben Sie?

Ich habe ein Pilotprojekt: „Einführung in die Kunst der Meditation“ angefangen. Ich war überrascht von der positiven Resonanz.

So arbeite ich noch an weiteren Zukunftsplänen, bis ihre Zeit reif ist. Der jetzt im vierten Jahr laufende Plastizierkurs ist z.B. aus einer Frage entstanden.

Kontinuierlich läuft der Reinkarnation- und Karmakurs. Die halbjährlichen Seminare „Leben mit den Verstorbenen“ haben eine gute Kontinuität, ebenso wie der Malkurs für Kinder.

Ich habe noch verschiedene Manuskripte , die bearbeitet werden müssen.

Mein Schwerpunkt liegt in der Arbeit mit Jugendlichen. In der Waldorfschule Saarbrücken erarbeite ich mit den Schülern der achten Klasse ihr Klassenspiel. Ich bin dankbar für diese Möglichkeit; gehört es doch zu den schönsten Momenten, junge Menschen in diesem künstlerischen Prozess zu begleiten.

Der „Stern“, der über ihrem Leben steht, kann für kurze Zeit sichtbar werden!

Diesen „Stern des Menschen“ bei Erwachsenen erlebbar zumachen, ist das Schönste. Deshalb habe ich die Praxis Gaspard gegründet!

 

 

Ein Beitrag zur „Verjugendlichung“ unserer Kultur.

Übrigens: ab Oktober hat die Praxis auch eine Webseite: www.praxis-gaspard.de

 

Das Interview führte die Redaktion

 

 

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30.07.2010

 

 

©  2010  Keime für die Zukunft
Letztes Update dieser Seite: 22. Februar 2009
Seite erstellt am 25. Januar 2009




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